Transforming Global Supply and Value Chains: Rückblick auf unsere 2-tägige Projektkonferenz
Am 28. und 29. September 2026 fand am Campus Schöneberg der HWR Berlin unsere Jahreskonferenz „Transforming Global Supply and Value Chains: Europe’s Role between Resilience, Sustainability and Competitiveness“ statt, durchgeführt in Kooperation mit dem Arbeitskreis Europäische Integration. Zwei Tage lang diskutierten Wissenschaftler*innen aller Karrierestufen mit Gästen aus Wirtschaft und Praxis eine gemeinsame Frage: Wie können europäische Produktionsnetzwerke wettbewerbsfähig bleiben, nachhaltiger werden und sich als resilient erweisen? Das Programm verband die Forschung aus unserem Projekt mit Beiträgen externer Referent*innen. Das vollständige Programm finden Sie hier.
Tag 1: Transformation, nachhaltige Lieferketten und Geopolitik
Das erste Panel widmete sich Wachstumsregimen im Wandel und der Rolle Europas. Projektmitglieder stellten Analysen zu nachfragegetriebenem Wachstum und makroökonomischen Policy-Regimen in sieben Ländern vor sowie zwei Frameworks: eines zur Erklärung ungleicher Entwicklungspfade im gegenwärtigen Kapitalismus und eines zu den externen Ankern von Wachstumsmodellen in der Semiperipherie. Eine Keynote stellte anschließend Ideen für einen neuen Theorieansatz zur Diskussion: Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich der Kapitalismus von einer liberalen zu einer organisierten Phase bewegen könnte, in der Unternehmen stärker nationalen Entwicklungs- und Sicherheitszielen unterworfen sind. Für globale Wertschöpfungsketten rückt das staatliche Prioritäten ins Zentrum, bedeutet aber nicht automatisch strengere Menschenrechts- oder Umweltstandards. In einer Poster-Session hatten junge Wissenschaftler*innen Gelegenheit, ihre Forschung vorzustellen und mit den Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen. Das zweite Panel fragte, ob Nachhaltigkeit und Resilienz Wege zu tragfähigen Lieferketten sind, das dritte beleuchtete europäische Perspektiven auf geopolitische Konkurrenz und die Neuordnung globaler Wertschöpfungsketten. Den Abschluss bildete eine zweite Keynote: Sie zeigte, wie Unternehmen auf politische Unsicherheit reagieren, indem sie ihre Zulieferer und Länder diversifizieren, statt systematisch zurückzuverlagern, und wie stark die Konzentration von Lieferanten Risiken in vernetzten Lieferketten verschärfen kann.
Tag 2: Regulierung, Wettbewerbsfähigkeit und Menschenrechte
Am zweiten Tag ging es um die Regulierung globaler Lieferketten. Das erste Panel untersuchte Reaktionen auf die europäische Regulierung: wie Sorgfaltspflichten die Importe von Unternehmen beeinflussen, wie sich pharmazeutische Lieferketten an die europäische Pharmastrategie anpassen und ob die europäische Regulierung einen „Brussels Effect” entfaltet. Im Anschluss stand in der Keynote der Verhandlungsprozess in Genf über ein verbindliches internationales Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten im Mittelpunkt. Auf dem Podium diskutierten danach Vertreterinnen aus Praxis und Wissenschaft aus unterschiedlichen Perspektiven, ob Europa Wettbewerbsfähigkeit, Verantwortung und Resilienz in der Regulierung globaler Lieferketten in Einklang bringen kann. Das letzte Panel gehörte vor allem Nachwuchswissenschaftlerinnen, die ihre Forschung vorstellten.
Ausstellungen
Begleitet wurde die Konferenz von zwei Ausstellungen: einer Fotoausstellung von Reversed Magazine, die faire und nachhaltige Lieferketten journalistisch in den Blick nimmt, und „Common Ground: From Extraction to Electrification“ von Paul Mengeling, einer visuellen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Zukunft des Rohstoffabbaus in vier europäischen Regionen im Kontext des Lithium-Booms.
